Nina Nesimovic Coming back stronger – Story Teil 1

Share This Post

Share on facebook
Share on linkedin
Share on whatsapp
Share on twitter
Share on pinterest
Share on telegram
Share on email

Mein Name ist Nina Nesimovic, ich bin 24 Jahre alt und komme aus Österreich (Graz).Seitdem ich angefangen habe Volleyball zu spielen, bin ich im Mittelblock. Ich spiele für das Österreichische Volleyball Damen Nationalteam und habe die letzten 2 Saisonen professionell Volleyball in der Schweiz für den Verein Volley Lugano gespielt.

Volleyball and me – oder wie ich zu diesem Sport gekommen bin

Damals als ich noch in der Volksschule war, fand ein Volleyballtag statt, an dem wir Schüler*innen teilgenommen haben. Der Trainer, der an diesem Tag seinen Verein vorgestellt hat und uns Volleyball näherbringen wollte, hat mich nach der Trainingseinheit gefragt ob ich nicht Lust hätte mal ins Training zu schnuppern. Er hatte gemerkt, dass ich mich durchaus für den Sport begeisterte und sah wohl auch ein gewisses Potential in mir schlummern. Außerdem war ich damals schon ziemlich groß, was eine gute Voraussetzung für Volleyball ist.

Mutig wie ich bin, habe ich nicht lange gefackelt und sofort zugesagt. Ich merkte schon damals, dass mir Volleyball viel Spaß machte. Ich fand es toll mit meinen Freunden in einer Mannschaft zu spielen. Übrigens wurden auch einige von ihnen zum Schnuppertraining eingeladen. Wir konnten es kaum abwarten, Zuhause davon zu erzählen. Fast noch schlimmer war es, auf die erste Trainingsstunde zu warten. Was haben wir damals darauf hin gefiebert.

Schon nach dem ersten Training war ich begeistert und ich hatte eine Ahnung, dass Volleyball durchaus mein Ding werden könnte. Mich hat die Sportart von Anfang an fasziniert und dass ich noch mit meinem besten Freunden spielen konnte, war für mich der Bonus on Top.

Das Schöne am Teamsport ist zum Beispiel, dass man nicht allein trainiert, sondern Mitspielerinnen um sich hat, die einem helfen aufzustehen, wenn mal was nicht klappt. Es macht so unglaublich viel Spaß in einem Team zu sein, wo man gemeinsam lacht, sich motiviert, nach Erfolgen zusammen feiert oder nach verlorenen Spielen alles zusammen durchsteht. Durch den Sport habe ich Freunde fürs Leben gewonnen, mit denen ich heute noch in sehr engen Kontakt stehe. Manche davon hätte ich ohne Volleyball nie getroffen.

Volleyball – nicht meine einzige Sportliebe

Also habe ich angefangen Volleyball zu trainieren, bis ich einen leichten Knochenbruch im Fuß erlitt und ca 2-3 Monate pausieren musste. In dieser Zeit wurde mir klar, wie sehr mir mein Sport und mein Team fehlte. Zwischendurch habe ich nach meiner Verletzung sogar mit HipHop Tanzen angefangen aber ich musste mich dann für einen Sport entscheiden, da sich die Trainingszeiten damals überschnitten haben. Die Leidenschaft für Volleyball war einfach größer und somit kehrte ich wieder 100% zu zurück und blieb auch dabei.

Meine Eltern haben mich damals sehr unterstützt. Ich denke ohne sie wäre ich nicht da wo ich jetzt bin. Mein Vater war zum Beispiel Profifußballer und ihm war bewusst, wie der Weg eines Profisportlers aussieht. Schon damals versuchte er mir das näher zu bringen und auch heute noch, wenn ich nach einem Spiel nachhause komme wird alles analysiert. Außerdem frage ich meistens meinem Papa nach Rat, wenn ich irgendwie nicht weiter weiß.

Mir war früh klar, dass ich von dieser Sportart nicht loslassen möchte und ich sage immer noch: „Wenn man das tut was man liebt, dann ist es das Wahre.“ Wenn ich zurückdenke, dann wäre ich den Weg auch niemals anders gegangen. Es hat mich einfach erfüllt auf dem Platz zu stehen, ich konnte abschalten und hab es damals immer kaum abwarten können nach der Schule ins Training zu gehen. Mir war einfach klar: Das ist mein Sport und hier kann ich ich sein.

Mein Werdegang  – von Österreich in die Schweiz und wie sich mein Traum erfüllt hat

Ich habe damals in Österreich, genauer gesagt in Graz beim Verein ATSE GRAZ mit dem Volleyball angefangen. Ich war damals ca 10 Jahre alt. In meinem Verein habe ich dann in allen Jungenklassen gespielt von U15 und U19 bis hin zur Gebiets und Landesliga. Ich war auch in der Volleyballakademie HIB LIEBENAU (Graz) wo ich viel in der Jugend gespielt und dazugelernt habe, bis ich dann mich entschied bei ATSE GRAZ in der 2 Bundesliga mit zu trainieren und dort zu bleiben. Die Möglichkeit parallel zu den Jugendbewerben auch dort zu spielen war für mich von extrem großer Bedeutung. Mit all den älteren Spielerinnen mittrainieren zu dürfen und von

ihnen lernen zu können, war wirklich etwas sehr besonders für mich.

Als ich 16 Jahre alt war, habe ich die Möglichkeit bekommen, bei einem 1. Bundesliga Verein in Österreich genauer gesagt bei Eisenerz/Trofaiach mit zu trainieren. Dort blieb ich dann auch eine Saison. Dort bekam ich die Möglichkeit, mich als Spielerin extrem weiterzuentwickeln. Bei Eisenerz/Trofaiach hatte ich meine ersten Einsätze in der 1 Liga und begann immer mehr Erfahrung zu sammeln und mich mit den besten Spielerinnen Österreichs zu messen. So gewann ich mehr Aufmerksamkeit und bekam eine Einladung für das Jugendnationalteam, ein langgehegter Traum von mir. Dort konnte ich dann internationale Erfahrungen sammeln. Insgesamt spielte ich drei Jahre im Team von 2013 bis 2015.

Danach bin ich zum Verein UVC GRAZ gewechselt. Dort habe ich von 2015 – 2019 gespielt.

In diesem Verein habe ich mich wie zu Hause gefühlt, alles war wirklich top. Die Mannschaft, die Trainer & der Vorstand – alles hat einfach gepasst. Genaue dieser Zusammenhalt

hat uns damals zu den Erfolgen verholfen, die wir gemeinsam erreicht haben.

Wir haben im Jahr 2018 die Meisterschaft gewonnen und das erste Mal in der Vereinsgeschichte auch den österreichischen Cup im selben Jahr. Sogar international haben wir gespielt, im Challenge Cup & Cev Cup wo wir uns gegen Top Teams gut präsentiert haben. In meiner letzten Saison bei Graz wurde ein Traum für mich wahr. Wir durften die Champions League Qualifikation spielen und davon träumt wirklich jede*r Spieler*in, das erleben zu dürfen. Auch wenn wir es nicht geschafft haben weiterzukommen, ist das eine Erfahrung fürs Leben, die ich nie vergessen werde.

Mit dem UVC Graz habe ich unglaublich viel erlebt. Diese Zeit hat mich sehr geprägt, da ich dort quasi aufgewachsen bin und mir die Chance gegeben wurde mich weiterzuentwickeln und eine feste Größe des Teams zu werden. Das wichtigste war aber unser Wahnsinns Teamgeist. Wir haben alle zusammen für unser Ziel gearbeitet. Das ist, meiner Meinung nach, genau der Schlüssel zum Erfolg für ein Team.

Als ich bei Graz gespielt habe, bekam ich dann auch meine erste Einladung für das Damennationalteam. Für mich war das natürlich ein riesen Erfolgserlebnis. Wann bekommt man schon mal die Möglichkeit, mit den besten Spielerinnen Österreichs zu trainieren?

Ich habe auch die Chance bekommen für das Damenteam zu spielen und Österreich zu repräsentieren – was natürlich eine Ehre ist. Ich war damals erst 20 und durfte schon mit zur Weltmeisterschaftsqualifikation,wo ich meine ersten Einsätze im Damenteam bekommen habe. Damals unter der Trainerin Svetlana Ilic.

Ich weiss noch wie aufgeregt ich war. Wir haben gegen Top Nationen wie zum Beispiel Russland gespielt haben, wo Spielerinnen spielten, die meine Idole waren. Damals habe ich das kaum realisiert. Alles ist so schnell auf einmal passiert. Aber rückblickend weiß ich, wie wertvoll diese Momente sind.

Nach 5 Saisonen beim UVC Graz hab ich gemerkt ,dass es Zeit für einen Wechsel ist. Ich brauchte eine neue Herausforderung. Mein Ziel war es schon immer ins Ausland zu gehen, um zu spielen. Ich wollte sehen, wie weit ich mein volles Potential abrufen kann und wollte als Spielerin natürlich meinen Horizont mehr erweitern.

So bekam ich die Möglichkeit bei Volley Lugano in der Schweiz für 2 Saisonen zu spielen. (2019/21). Dort habe ich gemerkt, wie es ist, wenn man im Ausland spielt. Ich war komplett auf mich alleine gestellt. Ich bin aber auch als Spielerin unglaublich gewachsen und habe mich natürlich auch als Nina weiterentwickelt. Man kommt eben aus seiner Komfortzone heraus, wenn man im Ausland spielt. Ich habe viele neue Freundschaften aus aller Welt geknüpft und eine andere Kultur kennengelernt. Ich hatte das Wahnsinns Glück ein tolles Team in Lugano zu haben und einen Vorstand, der uns sehr unterstützt und an uns Athleten glaubte, auch wenn es mal nicht so einfach war.

Nach der Saison 2020/21 in der Schweiz stand dann wieder die Nationalmannschaft auf dem Programm. Dort habe ich mich dann leider verletzt und so begann auch die Reise meiner Reha, auf die ich euch mitnehmen möchte. Ich hatte es zwar etwas anders geplant, aber als Sportler muss man eben auch Verletzungen in Kauf nehmen.

Life behind Volleyball

Zu meinen Top Hobbies gehört Reisen. Alleine durch meinen Sport bin ich viel gereist und habe viel gesehen. Ich habe richtig Lust drauf, immer mehr zu sehen und zu entdecken. Wenn ich im Urlaub bin, dann versuch ich immer die Destinationen zu wählen, die ich noch nicht kenne. Ich liebe es einfach neue Kulturen kennenzulernen und andere Eindrücke zu gewinnen. Ich finde das macht das Leben so lebenswert. Ich lese auch sehr gerne. Wenn ich Zeit habe, schnappe ich mir einen Roman oder eine Biografie. Nach dem Training ist das die beste Entspannung.

Aber das sind noch lange nicht meinen einzigen Hobbies 😉

In der Unterstufe war ich bei vielen Schauspielprojekten dabei. In der Schule besuchte ich einen Kurs und danach meldete ich mich mit einer Freundin beim Theater an, da mich Schauspielerei sehr interessiert hat, aber da ich wegen Volleyball wenig Zeit hatte musste ich leider damit aufhören. Aber die Leidenschaft ist geblieben. Ich schau sehr gerne Filme oder gewisse Aufführungen, die mich interessieren, da ich damals gesehen habe, wie es hinter den Kulissen funktioniert.

Dann lebe ich ja im wunderschönen Österreich! Zumindest zeitweise 😉

Wandern ist eines meiner Lieblingshobbies. Immer wenn ich etwas länger daheim bin, suche ich mit meiner besten Freundin ein paar Strecken raus. Draußen ist für mich der beste Ausgleich für Körper und Seele. Wenn es nicht allzu weit ist, liebe ich es gewisse Strecken mit dem Fahrrad zu fahren. Vor allem im Sommer ist das ein Traum!

Mit Familie und Freunden viel zu unternehmen steht immer auf meiner to do Liste. Egal ob in die Natur oder shoppen, ich liebe es mit den Menschen, die mir sehr nahe stehen gemeinsam die Zeit zu verbringen und Momente zu genießen. Ich habe übrigens eine gewisse Vorliebe für Fussball, da ich durch meinen Papa und Bruder viel mitbekomme und wenn daheim Fussball läuft, ist das quasi mein Pflichtevent.

So sieht das Leben einer Profisportlerin aus

Während der Saison ist mein Alltag ziemlich monoton. Ich habe fast jeden Tag in der Früh Training und zusätzlich noch am Abend. Das Frühtraining ist meistens um 9:00 Uhr. Da ich aber meistens vom Abendtraining ziemlich fertig bin, nutze ich jede Minute aus die ich im Bett bleiben kann. Das heißt zwar manchmal, dass das Frühstück eben ausfallen muss, aber das ist es mir durchaus wert. Das Training geht dann meist bis 11:30 Uhr, manchmal sogar bis 12:00 Uhr. Danach gehen wir gemeinsam Essen oder wir kaufen schnell was ein und essen Zuhause. Anschließend kommt der fast beste Teil des Tages: Der Power Nap!

Da ich ja in Lugano gespielt habe und dort fast immer die Sonne geschienen hat, hab ich mich dort auch öfter mal auf dem Balkon entspannt. Also ein Buch gelesen oder Italienisch gelernt zum Beispiel, weil im Tessin ja alles Italienisch spricht. Schließlich wollte ich mich verständigen können. Das hat übrigens ganz gut funktioniert, also das mit dem italienisch lernen ;). Mittlerweile kann ich mich ganz gut verständigen. Tja und gibt es ja auch noch den Haushalt, der erledigt werden möchte. Wäsche waschen steht beispielsweise täglich auf dem Programm.

In Lugano bin ich, wenn ich noch Energie hatte, mit meinen Mittbewohnerinnen in die Stadt auf einen Kaffee. Das kam aber leider, Coronabedingt, eher selten vor. Aber Not macht bekanntlich erfinderisch. Wir haben also öfter einen Spaziergang um den See gemacht und dabei einfach unseren Kaffee von Zuhause mitgenommen. Coffee to Go – sozusagen. An unseren freien Tagen sind wir wandern gegangen oder haben Sight Seeing gemacht. In der Schweiz gibt es wirklich wunderschöne Orte, die man unbedingt gesehen haben sollte.

Auch das Abendprogramm ist ziemlich straff. Abends ist dann meistens von 8 – 10 Training, manchmal früher. Meistens waren wir etwas früher da, entweder weil wir mit dem Trainer was besprechen wollten oder weil Videoanalyse auf dem Programm stand (vielleicht erkläre ich dazu im nächsten Blog ein bisschen mehr). Nach dem Training waren wir dann meistens fix und fertig und sind gleich ins Bett. Manchmal haben wir auch noch einen Film geschaut oder mit Familien und Freunden telefoniert. Am nächsten Morgen ging es dann wieder von vorne los.

Wir hatten aber durchaus auch mal freie Tage. Meistens sind wir Mädels dann zusammen losgezogen. Man muss auch mal Abschalten und dadurch einen Ausgleich schaffen. Vor Spielen hatten wir in der Woche kaum Freizeit, weil der Fokus dann eben auf dem Spiel liegt. Aber zwischendurch findet man immer etwas Zeit um Kräfte zu tanken. Deshalb war es auch cool mit den Mädels in einer WG zu wohnen. Wir haben zusammen gekocht, Filme geschaut oder haben zusammen was unternommen.

Im Großen und Ganzen braucht man ein gutes Zeitmanagement. Wenn man das meistert, bleibt auch Zeit für Hobbies. Wenn die Saison rum ist, dann ist das im ersten Moment komisch, denn es fehlt einfach der geregelte Tagesablauf. Allerdings hab ich dann auch mal Zeit für andere Dinge.

Mein Kreuzband und ich – so ist der Unfall passiert.

In der Nationalmannschaft haben wir in Griechenland unsere EM-Qualifikationsspiele bestritten und ausgerechnet am letzten Spieltag ist es dann passiert. Ich wurde im 3 Satz eingewechselt und konnte auch ein paar Punkte spielen. Dann bin ich, während einem Angriff, nach innen mit dem Knie gelandet. Während ich so auf dem Boden lag, dachte ich erst es geht schon, ich steh jetzt auf. Aber ich konnte nicht mal mehr mein Knie beugen. Da wurde mir klar: „Okay, es ist doch etwas passiert. Gespürt habe ich im ersten Moment nicht viel. Dann war ich plötzlich von vielen umzingelt. Ich war unter Schock, hatte die Augen zu und mein Knie festgehalten, weil ich es nicht wirklich bewegen konnte. Der Physio machte eine Erstdiagnose und dann kam auch schon der Krankenwagen und es ging gleich zur Ambulanz.

Nach paar Untersuchungen war noch nicht klar was los ist. In Österreich wurde dann ein MRT gemacht. Danach rief mich der Operateur an und meinte, dass das Kreuzband und mein Meniskus gerissen sind und ich operiert werden muss.

Klar, das zu hören war wie ein Schlag ins Gesicht, aber ich habe es schnell akzeptiert. Realisieren kann ich es bis jetzt kaum. Es dauert bis einem wirklich bewusst wird, was eigentlich geschehen ist – aber das ist normal. Mir war nur klar: „Ich will wieder spielen, die Reha so gut wie es nur geht durchziehen und das mit ganz viel positiver Energie. Dank all der Unterstützung, die ich habe, fällt mir das leicht. Aber nach der Verletzung komplett mit Volleyball aufzuhören war und ist keine Option. Nach der OP schon zählte ich die Tage, bis ich endlich mit der Reha beginnen konnte. Ich freue mich drauf, was zu machen, um bald wieder auf dem Platz stehen zu können.

Vielen Dank an Alle, die bis hierhin durchgehalten haben. Ab dem nächsten Blogbeitrag nehme ich euch dann mit auf meine Reha-Reise. Ich freu mich drauf und ihr, liebe Leser, hoffentlich auch!

Eure Nina

More To Explore