NINA NESIMOVIC COMING BACK STRONGER | DER RESTART – STEP BY STEP

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Einen Tag vor der OP bin ich im Rudolfinerkrankenhaus in Wien angekommen und habe mich mental auf den Eingriff vorbereitet. Ich hatte schon mal eine Operation, deshalb war ich nicht so nervös beziehungsweise ängstlich, aber in dem Moment konnte ich es eben nicht realisieren was auf mich zukommt. Es hat sich für mich noch immer alles wie in einem Traum angefühlt.

Erst als ich dann im Spitalzimmer war und mehr Zeit zum Nachdenken hatte, wurde mir langsam klar, dass am nächsten Tag tatsächlich der Eingriff bevorsteht. Um mich abzulenken habe ich mit meiner Familie und Freunden telefoniert. Wegen Corona war es leider nicht möglich mich zu besuchen. Im Krankenhaus habe ich mich allerdings trotzdem gut aufgehoben gefühlt, die Krankenschwestern waren sehr freundlich und das Essen war wirklich überragend (allen Vorurteilen zum Trotz).

Trotzdem war es eben ein extrem komisches Gefühl alleine dort zu sein. Am Tag vor der OP konnte ich auch nicht wirklich einschlafen und ich habe nachts sogar davon geträumt. Ich bin dann tatsächlich kurz hochgeschreckt und habe einen Moment gebraucht, um zu realisieren, dass es nur ein Traum war.

Gott sei Dank konnte ich allerdings gut weiterschlafen und am Morgen ging es mir gut. Ich war also bereit für alle Vorbereitungen und Voruntersuchungen, die vor dem Eingriff erledigt werden mussten.

Dann kam auch schon nach einiger Weile die Krankenschwester und brachte mich zum Op Saal. Da hatte ich dann schon ein wenig Nervenflattern muss ich ehrlich sagen.

Dort angekommen unterhielt ich mich mit dem Operateur und den Assistenten, die sehr nett waren und mich gut abgelenkt haben und dann bekam ich auch schon die Betäubungsspritze und es ging los.

Ein paar Stunden später wachte ich auf. Klar, im ersten Moment war ich etwas verwirrt und habe Zeit gebraucht um zu mir zu kommen. Aber das ging eigentlich schnell und schon wurde ich wieder in mein Zimmer gebracht.

Zuerst habe ich auch nur einen vorsichtigen Blick auf mein rechtes Bein geworfen, aber viel war da nicht zu sehen, nur der Schlauch fürs Blut bzw. das Wundsekret. Ich meldete mich noch schnell bei meinen Liebsten und ging schlafen, da ich sehr müde war.Das Krankenbett war übrigens sehr gemütlich, haha! Also nach der Operation habe ich wie ein Baby geschlafen und hatte fast keine Schmerzen. Das lag aber auch an der Infusion, die ich bekommen hatte.Am nächsten Morgen lag ich eigentlich nur im Krankenbett und bekam meine Infusionen und Medikamente. Auch der Operateur kam vorbei und hat mir über den Verlauf des Eingriffs berichtet und gesagt, dass er sehr zufrieden ist. Da war ich sehr erleichtert und froh, dass ich wirklich in guten Händen war.

Vier Tage verbrachte ich noch nach dem Eingriff im Krankenhaus. Dort habe ich dann langsam versucht wieder auf meine Beine zu kommen, das war gar nicht so leicht, sag ich euch. Glücklicherweise gab es Physiotherapeuten*innen, mit denen ich Einheiten hatte.

Dort habe ich beispielsweise gelernt mit Krücken zu gehen und wir haben ein paar Übungen gemacht, die für die Post-OP wichtig waren um die Durchblutung wieder anzuregen.

Das war der Zeitpunkt, wo ich realisiert habe, dass ich jetzt eine längere Zeit auf Krücken angewiesen bin und nicht mehr so leicht von A nach B komme. Aber ich war darauf eingestellt und habe es akzeptiert. Das war für mich extrem wichtig von Anfang an zu sagen: „Okay, ich jammre nicht, ich zieh das durch, weil es nur einen Weg gibt, um wieder zurückzukommen.“ Sicher gab es dann doch Momente, wo ich vielleicht ein bisschen gejammert habe und nicht tapfer war, aber das gehört dazu.

Nachdem ich alle Kontrollen durchhatte und es mir soweit gut ging, konnte ich die Klinik wieder verlassen. Ich war froh endlich wieder nach Hause zu kommen und bei meiner Familie zu sein. Zu diesem Zeitpunkt war ich lange nicht zu Hause, da ich ja direkt nach der Saison nur eine Stippvisite gemacht hatte und dann gleich weiter zum Nationalteam bin.

Wieder Zuhause….

Die ersten Tage zu Hause habe ich mich ausgeruht, da ich noch sehr fertig nach der Operation war. Ich habe auch schlecht geschlafen, d

a ich eine Schiene getragen habe und nur auf dem Rücken liegen konnte. Gemütlich ist definitiv anders. Nach paar Tagen habe ich schon begonnen leicht meinen Fuß zu bewegen und Übungen zu machen die mir mein Physio empfohlen hat.

Ich war wirklich froh, dass ich wenigstens etwas machen konnte, ruhig sitzen war die Hölle für mich 😂😂

So habe ich tagtäglich meinen Rehaplan konsequent durchgezogen und war auch mental gut drauf. Mir war klar umso besser ich das jetzt durchziehe, desto früher kann ich meine Krücken weggeben und wieder ´normal´ gehen lernen.  Aber stressen wollte ich mich nicht, da ich wusste das ab jetzt Geduld gefragt ist. Ich wollte wirklich alles step by step angehen und nichts überstürzen.

Denn ein Kreuzbandriss braucht seine Zeit um zu verheilen. Als ich gehört hatte, dass es 9 Monate dauern wird war mir klar ich muss da durch! Mir war bewusst, dass es ein emotionaler Rollercoaster wird, aber das Leben wäre doch langweilig wenn alles ganz einfach wäre, oder ? Haha

Am Anfang habe ich noch viele Erklärvideos über meine Verletzung angesehen und Dokumentationen wie es anderen Spielern damit ging. Ich wollte einen Einblick haben aber umso mehr ich sah desto ängstlicher wurde ich. Auf einmal hatte ich unendlich viele Fragen in meinem Kopf und natürlich auch Zukunftsängste. Irgendwann sagte ich zu mir: „Stop Nina, du kannst nicht an die Zukunft denken, du musst im Moment bleiben und das Beste draus machen“.

Das ist auch im Sport so, wenn man spielt und am Feld steht sollte man nicht darüber nachdenken was in den nächsten Spielzügen passiert, sondern man ist auf den Moment fokussiert und handelt dementsprechend. Trotzdem spukten natürlich auch gewisse Gedanken durch meinen Kopf: „Werde ich wieder normal spielen können? Wann kann ich wieder spielen? Wird alles nach Plan verlaufen?“

Aber das ist ein Prozess, den man akzeptieren muss. Wenn man das früh genug schafft und sich auf das wesentliche Ziel fokussiert- nämlich stärker zurückzukommen – dann merkt man dass sich viel tut und man einfach positiver wird.So habe ich mir auch mit meinem Physio für jeden Monat gewisse Ziele gesetzt, die wir erreichen wollten und langsam darauf hingearbeitet – aber ohne Druck.

Schon vor der OP haben wir angefangen gewisse Übungen zu machen, damit ich in Form bleibe. Nach dem Eingriff haben wir einen Plan erstellt und gezielt daraufhin gearbeitet.

Die Übungen sehen vielleicht einfach aus, aber sie waren am Anfang alles andere als das. Es war nicht das übliche Training, das ich gewohnt bin.Aber ich bin jedes Mal froh und habe ein sehr gutes Gefühl, beispielsweise nachdem ich die Einheiten daheim absolviert hatte. Ich wusste, ich habe es durchgezogen und das hat mich auch stärker gemacht. Gleichzeitig bekam ich dadurch die Motivation noch mehr zu tun und manchmal musste ich mich durchaus bremsen, da auch die Regeneration auch von großer Bedeutung ist.

Ich bin sehr froh in Graz wieder daheim zu sein. Hier habe ich die volle Unterstützung meiner Familie und Freunde. Dafür bin ich sehr dankbar, denn in solchen Zeiten merkt man, wer für einen wirklich da ist. So blöd es auch klingt.

Daheim konnte ich zum Beispiel die ersten 2 Monate nur auf Krücken gehen. Dadurch war es für mich nicht möglich einfach mal schnell die Stiegen im Haus runterzugehen oder geschweige denn zu kochen, da ich kaum stehen konnte und wirklich auf Hilfe angewiesen war. Es gab durchaus Momente, da wollte ich schon nicht mehr um Hilfe bitten, weil ich mich gefühlt habe als hätte ich schon angefangen herumzukommandieren. Ich war nur zu Hause, da ich nicht gehen konnte und Teilbelastung auf den Krücken hatte. Also kam der Besuch zu mir oder ich ging in den Garten und habe mir dort ein bisschen Auszeit genommen.

Ich habe einfach versucht mich abzulenken, um nicht zu viel über die Reha nachzudenken. So war es dann auch leichter. Von Tag zu Tag hatte ich kleine Erfolgserlebnisse. Ich arbeitete hartnäckig an meinen Zielen, bis ich endlich die Krücken ablegen konnte und langsam wieder gehen gelernt habe.Oberkörpertraining war sowieso von Anfang an dabei, da konnte ich dann richtig Gas geben. Dazu gehörte auch zum Beispiel mit dem Volleyball ein bisschen gegen die Wand spielen, um das Feeling zu erhalten.

Das war eben mein Alltag daheim: 2 mal am Tag habe ich trainiert, bin zwischendurch zum Physio, da ich dort Therapien hatte und auch Trainingsstunden absolviert habe. Zwischendurch hatte ich wie erwähnt Besuch, von Freunden und Familie und habe die Zeit mit Ihnen genossen. Nach ein paar Wochen war ich dann in der Lage mit den Krücken ein wenig zu gehen. Dadurch konnte ich bisschen mehr ins Freie und auch die Natur genießen. Aber das wichtigste war in dieser Phase, dass ich mich ausgeruht habe und nicht zu viel forcierte, da ich mehr Energie benötigte als je zuvor.

Meine Reha

Die Reha findet hauptsächlich in Graz statt, teilweise in Maribor, da dort mein Physio vom Nationalteam seine Praxis hat und es für mich nicht so weit ist.Also pendele ich quasi 4-mal in der Woche nach Maribor. Dort mache auch einige Einheiten beim Krafttrainer von meinem ehemaligen Verein UVC GRAZ. Ich fühle mich sehr gut aufgehoben und arbeite mit Menschen, denen ich sehr vertraue und die mich als Athletin auch sehr gut kennen. Sowohl als Person als auch als Leistungssportlerin. Das ist ein wichtiger Faktor und ich bin sehr dankbar dafür. Zusätzlich versuche ich zu Hause meine Übungen täglich zu machen, auf meine Ernährung zu achten, den Schlafrhythmus und die Regeneration zu beobachten. All diese Aspekte sind enorm wichtig, damit die Reha erfolgreich wird. Jeder Tag ist voll mit Einheiten, zwischendurch 1 Tag Regeneration. Das Volleyballtraining fehlt mir allerdings sehr. Übrigens: Auch in der Reha ist das Zeitmanagement sehr wichtig, sonst kommt man schnell aus dem Rhythmus. Ich zähle schon nicht mehr die Tage, sondern lebe wirklich von Tag zu Tag und gehe meinen Weg Schritt für Schritt. Ich beobachte, wie sich alles entwickelt, denn der Weg ist ja bekanntlich das Ziel. Ich weiß, dass noch viel vor mir steht, aber ich bin sowas von bereit! Vielleicht wird nicht alles glatt laufen im Sport habe ich gelernt, dass auch Niederlagen zum Erfolg dazugehören.

 

 

 

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